Ausstellung Noriko Ambe,       Gregor Hildebrandt

SUMAZO
zu Gast bei kunstMARKE

Vernissage
14.4.07 ab 19:00 Uhr
Öffnungszeiten
15.4. – 4.5.07
13:00 – 20:00 Uhr

Gumpendorferstr. 23
1060 Wien

Arbeiten von Gregor Hildebrandt courtesy: Galerie Jan Wentrup, Berlin

Arbeiten von Noriko Ambe courtesy: Josée Bienvenu Gallery, New York

Sponsors


HRD Concerts
Sumazo
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Die zweite Ausstellung im Rahmen des Projektes SUMAZO und damit die erste im Jahr 2007 stellt die beiden Künstler Gregor Hildebrandt (D) und Noriko Ambe (J) vor. Beide Künstler studierten in ihrer Heimat, Gregor Hildebrandt erst an der Johannes Gutenberg Universität Mainz und dann an der Hochschule der Künste in Berlin, Noriko Ambe an der Musashino Art University in Tokyo. Überraschenderweise gibt es bei ihnen (wie bei der ersten Paarung bestehend aus dem Österreicher Christoph Weber und dem Japaner Katsuhiro Saiki) einen biographischen Berührungspunkt der darin besteht, dass beide einen Stipendiumsaufenthalt in Italien absolvierten. Der Deutsche Gregor Hildebrandt der zur Zeit im Zuge eines DAAD Postgraduiertenstipendiums in Wien wohnt und arbeitet verbrachte 2003 einige Monate in Venedig, während die Japanerin Noriko Ambe in Florenz arbeitete bevor sie sich im Jahr 2000 längerfristig für Nordamerika und schließlich für New York entschied. Die „Berührungspunkte“, die für die Auswahl gerade dieser beiden Künstler ausschlaggebend waren, sind jedoch natürlich entscheidend andere.

Sowohl Noriko Ambe als auch Gregor Hildebrandt arbeiten seit einiger Zeit hauptsächlich mit dem zweckfremden Einsatz von Materialien, denen man die Rolle eines Trägermediums beimisst. Keiner von beiden nutzt diese Materialien (primär) zur Widergabe oder „Aufzeichnung“ irgendwelcher „Inhalte“, jedenfalls nicht in konventioneller Weise. Während Gregor Hildebrandt in den letzten Jahren hauptsächlich mit Kassettentonbändern, wie auch anderen Speicherbändern für Musik und Video arbeitet und diese oft seine Arbeiten, zumeist Bilder auf Leinwand aber auch Objekte und Installationen, dominieren, benutzt Noriko Ambe Schichten aus Papier vom Notizblock über Bücher und Zeitungen bis hin zu großen Formaten, in die und aus denen sie Schicht für Schicht Strukturen schneidet die sie zudem manchmal auch mit Hilfe verschiedener Trägerstrukturen installiert.

Es stehen damit wieder ein europäischer Künstler und eine japanische Künstlerin zur Disposition deren Werke einerseits sehr stark für sich sprechen und andererseits dahingehend in Zusammenhang stehen als sie beide Medien (Papier und Magnetband) die herkömmlich nur als Träger von Inhalten und Information dienen zweckentfremden und selbst zu einem Teil ihrer Arbeit werden lassen.

Gregor Hildebrandt benutzt vor allem Kassetten-Tonbänder aber auch Video- oder dat-Tapes für seine oft auch großformatigen Arbeiten bis hin zu Hausfassaden. Die Tonbänder werden auf Leinwände oder andere Träger meist großflächig aufgebracht oder in manchen Fällen auch nur wie ein Vorhang von oben abgehangen. Der Inhalt der Bänder scheint eine wesentliche Rolle zu spielen und kommt im Titel, in Kommentaren und malerischen oder anderen Hinweisen oder Zusammenhängen in den Bildern zum Ausdruck. Eine starke Affinität zu Musik wird so in den Bildern durch die Abbildung mit nicht-musikalischen Inhalten vermengt, wie eine innere Gefühlswelt mit alltäglichen äußeren Gegenständen. Es entsteht zugleich ein gewisses Paradoxon durch das Vorhandensein der Musik auf den verwandten Bändern, die oft gerade so viele Kopien eines gewissen Inhaltes (e.g. Musikstücks) tragen, um jene Bandlänge zu erhalten, die Leinwand oder den vorgesehenen Teil derselben zu füllen, und der gleichzeitigen völligen Absenz von Musik (Akustik), da sie nur gespeichert ist auf den dargebotenen Bändern aber nicht zu hören. Anders liegt der Fall etwa bei der Arbeit, die einen Spiegel vorstellt. Hier sind die Bänder leer, denn sie nehmen die Person (in Form eines Spiegelbildes) auf, die vor ihr steht und sich in ihnen spiegelt.

Noriko Ambe schneidet Strukturen in und aus Papier, genauer in dicke Lagen von Papier aller Formate, vom Notizblock bis zu Stapeln von großflächigem Papier. Sie schneidet dabei Schicht für Schicht ein Volumen sowohl in als auch aus dem Papier. Sie erhält so eine positive und eine negative Skulptur aus Schichten, die in der Regel durch die unregelmäßigen ungeometrischen Schnitte an anorganische natürliche Formen wie etwa ausgewaschenen Sandstein gemahnen (Holz und oder zu Stein; Aspekt, japanisch..), vor allem dann wenn unbedrucktes neutrales Papier verwendet wurde. Anders ist der Eindruck, wenn es sich um Bücher, Zeitungen oder ähnliches schwarz-weiß oder bunt bedrucktes Material handelt. Im Falle von Büchern entsteht aus der Spannung zum Inhalt und dem Respekt vor Gedrucktem und Buchkunst eine kontroverse Dimension aus der Zerstörung auch des Inhalts zu Gunsten der neuen Arbeit. Einige Arbeiten können auch kombiniert werden, werden installiert oder stehen in Zusammenhang mit „Trägerkonstruktionen“ (für das ursprüngliche Trägermaterial…). Das meditativ einförmigen der Ausführung der Arbeiten selbst ist ein wichtiger Aspekt von Norikos Art zu arbeiten und setzt sich in neueren Arbeiten mit anderen Materialien fort.

Beide Kuenstler nutzen Materialien die ursprünglich dem Zweck dienen Aufzeichnungen zu tragen, eine Basis für solche zu bieten und Inhalte aufzunehmen. Diese Medien selbst sind dabei nur Mittel zum Zweck und für den Inhalt in der Regel weder relevant noch in irgendeiner anderen Beziehung zu ihm als ihn zu transportieren, zu tragen zu bewahren zu speichern. Die beiden Künstler benutzen diese Materialien - Papier und Magnetband - und messen ihnen eine neue Rolle zu. Die Materialien werden verstrickt mit dem Inhalt der Arbeiten und sind materiell wie inhaltlich Teil der Arbeiten selbst und nicht mehr nur Träger einer Aufzeichnung, Träger eines Werkes. Für Gregor Hildebrandt auf der einen Seite spielt nicht nur der ursprüngliche Zweck der Bänder sondern oft auch deren Inhalte eine wesentliche Rolle und werden in den Arbeiten thematisiert. Anders bei Noriko Ambe, wo es mehr so scheint, als gäbe es eine solche Assoziation nicht. Das Material wurde aus anderen Gründen gewählt und schien aus anderen Gründen geeignet. In manchen Werken allerdings, vor allem dann wenn das Papier doch schon bedruckt ist, kann man sich gewisser Assoziationen bezüglich des getragenen Inhalts und der Verarbeitung nicht erwehren, wie etwa im Fall ausgehöhlter Zeitungen oder Atlanten. In beiden Fällen wird aus den reinen Trägern immaterieller Arbeiten und Inhalte - Film, Musik, Text -, selbst materieller Teil einer Arbeit – des Kunstwerkes.

Von der ästhetischen Seite verspricht der Kontrast der von den Künstlern verwendeten Materialien und deren monochromer Charakter eine interessante Ausstellungsgestaltung. Wieder werden die beiden Künstler die Gelegenheit haben die Ausstellung während einer Woche vor der Eröffnung gemeinsam vorzubereiten.